Die Neubesetzung des CDU-Vorsitz im feministischen Zerrbild

Die Zeit der starken CDU-Frauen gehe zu Ende, schreiben Zeitungen ([1] [2]) über die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer. So reduziert sich die Frage um die Nachfolge von AKK (und Angela Merkel) auf das Geschlecht der Kandidaten. Zeit für einen Gegenbeweis über die Relevanz des Geschlechts hinsichtlich des CDU-Vorsitz.

Die Stunde der Jungs

— taz

Angela Merkel wurde von Helmut Kohl und später von Wolfgang Schäuble gefördert und mit Ämtern bedacht. So wurde sie unter anderem Bundesministerin und CDU-Generalsekretärin. Von einer Konkurrenz zwischen Geschlechtern kann also bereits zu Beginn keine Rede sein.

Die CDU sei 20 Jahre lang von Frauen geführt worden heißt es. Auch wenn der Parteivorsitz sehr wichtig ist, existiert in einer Partei wie der CDU ein „middle management“ Werfen wir einen Blick auf den Frauenanteil im CDU-Bundesvorstand (genauer: das von der Partei gewählte Präsidium) sowie die Landesvorsitzenden:

  • Vorstand 2008 (älteste Übersicht aus der Wikipedia): 5 von 14, Vorstand 2020: 5 von 15
  • Landesvorsitzende 2000: 0 von 15, Landesvorsitzende 2020: eine (Julia Glöckner)

Die CDU wurde in den letzten 20 Jahren also mitnichten ausschließlich von Frauen geführt.

Der Anteil der weiblichen Mitglieder in der CDU liegt bei ca. einem Viertel, daher ist es nicht unbedingt überraschend dass die drei bisher gehandelten Kandidaten Männer sind. Außer natürlich für Menschen, denen das Geschlecht wichtiger ist als das politische Profil.

Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer erfolgte 2018 mit knappem Vorsprung vor Friedrich Merz in einer Stichwahl. Zuvor war Herr Spahn als dritter Kandidat bereits mit einem deutlich niedrigeren Ergebnis ausgeschieden. Die CDU-Delegierten auf dem Parteitag 2018 machten ihre Wahlpräferenzen also offensichtlich nicht am Geschlecht fest.

Die taz mutmaßt, dass die „Anschlussfähigkeit“ weiblicher Wähler unter der Kandidatenlage leiden könnte. Ein Blick auf die CDU-Ergebnisse bei Bundestagswahlen zeigt etwas anderes: die CDU hatte in den letzten 70 Jahren immer einen ausgeglichenen oder überwiegenden Anteil weiblicher Wähler. Hier werden Wahlerfolge bei Frauen mit der Erfüllung feministischer Erwartungshaltungen verwechselt.